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    Immobilienbewirtschaftung

    Wo steht die Schweizer Immobilienbewirtschaftung wirklich? Erfahrungen aus der Praxis zu den drei Phasen der Digitalisierung

    Theshoth SritharanMärz 2026·15 Min. Lesezeit
    Digitalisierung in der Schweizer Immobilienbewirtschaftung

    Einleitung

    Gian Castelberg und Emanuel Burch haben mit ihrem Beitrag zur Digitalisierung in der Immobilienbewirtschaftung (HSLU Immobilienblog, Februar 2026) eine Bestandsaufnahme geliefert, die in der Branche selten so klar formuliert wird. Die Analyse ist ehrlich: Die Schweizer Bewirtschaftung bewegt sich mehrheitlich zwischen Phase 1 und Phase 2 einer dreistufigen Transformationskurve. Phase 3 — die intelligente, vorausschauende Bewirtschaftung — wird als Horizont beschrieben, nicht als Gegenwart.

    Dieser Beitrag ergänzt die Analyse um Erfahrungen aus der praktischen Systementwicklung. Nicht um die akademische Arbeit zu korrigieren — sondern um aufzuzeigen, wo wir in der täglichen Arbeit auf Fragen stossen, die der Dreiphasenrahmen aufwirft, aber naturgemäss nicht im Detail beantworten kann.

    Das Dreiphasenmodell: Ein Rahmen, der in der Praxis trägt

    Das von Künzel (2024) beschriebene und von Castelberg und Burch aufgegriffene Dreiphasenmodell gibt der Diskussion eine hilfreiche Struktur:

    1

    Phase 1 — Digitale Erfassung

    Papierbasierte Abläufe werden in digitale Systeme überführt. Der Workflow bleibt im Wesentlichen gleich — er findet auf einem anderen Medium statt.

    2

    Phase 2 — Standardisierung und Automatisierung

    Prozesse werden harmonisiert. Mieterportale ermöglichen Self-Service. Routineaufgaben werden erleichtert — aber noch immer von Menschen ausgeführt oder manuell ausgelöst.

    3

    Phase 3 — Intelligenz und kontextuelle Steuerung

    Systeme analysieren Daten in Echtzeit, erkennen Muster und führen operative Aufgaben eigenständig aus — innerhalb klar definierter Grenzen.

    In der Praxis beobachten wir, dass dieses Modell vor allem eines gut beschreibt: den Unterschied zwischen Digitalisierung als Projekt und Digitalisierung als Betriebszustand. Viele Firmen haben Phase 1 abgeschlossen und befinden sich mitten in Phase 2. Der Schritt zu Phase 3 scheitert selten an der Technologie — er scheitert an dem, was Castelberg und Burch treffend als Akzeptanzhürde beschreiben.

    Die operative Lücke: Wo die Branche Zeit verliert

    Im Zentrum der Bewirtschaftung steht ein Paradox, das jeder Bewirtschafter kennt: Die Aufgaben, die täglich den grössten Zeitaufwand verursachen, sind die am wenigsten strategischen.

    Zahlungsabgleich. Mahngänge. Schadensmeldungen aufnehmen und weiterleiten. Fristen überwachen. Nebenkostenabrechnungen erstellen. Versammlungen vorbereiten. Protokolle schreiben. Das erfordert Verlässlichkeit, Sorgfalt und Kenntnis der Rahmenbedingungen. Aber es erfordert selten eine strategische Entscheidung.

    70–80%

    Der täglichen Arbeit ist operativer Kern

    Schätzungsweise 70 bis 80 Prozent der täglichen Arbeit in der Bewirtschaftung — in den meisten Firmen noch immer manuell.

    Achtung

    Dieser operative Kern ist in den meisten Firmen noch immer manuell. Nicht weil keine bessere Lösung vorstellbar wäre, sondern weil die bestehenden Digitalisierungsinitiativen genau hier an ihre Grenzen stossen: Sie unterstützen den Menschen bei dieser Arbeit. Sie nehmen sie ihm nicht ab.

    Für grosse Bewirtschaftungsfirmen mit mehreren hundert Mitarbeitenden ist dieser Zustand belastend. Der Fachkräftemangel, den auch Castelberg und Burch ansprechen, verschärft die Situation. Für ein anderes Segment ist er strukturell unlösbar.

    Das eigentliche Problem: Nicht Daten fehlen — sondern Entscheidungen

    Die Digitalisierungsdiskussion dreht sich häufig um Datenerfassung, Prozessautomatisierung und Transparenz. Das sind notwendige Schritte. Aber sie adressieren nicht den Kern dessen, was Bewirtschaftung ausmacht.

    Digitalisierung beantwortet die Frage, was passiert. Bewirtschaftung entscheidet, was zu tun ist.

    Ein konkretes Beispiel: Ein Mieter zahlt nicht. Die Datenlage ist klar — Verzug seit 14 Tagen, Betrag CHF 1'850. Jedes heutige System zeigt das an. Aber kein Dashboard beantwortet die eigentliche Frage: Wann mahnen? Wie formulieren? Ab welchem Schwellenwert kündigen? Wie muss der Prozess ablaufen, damit er rechtlich hält?

    Oder im Stockwerkeigentum: Ein Erneuerungsfonds ist zu tief dotiert. Die Zahlen sind vorhanden. Aber: Reicht eine moderate Beitragserhöhung? Oder ist eine sofortige Anpassung notwendig? Welche Konsequenzen ergeben sich für die Gemeinschaft? Was braucht es an der Versammlung, damit der Beschluss gültig ist?

    In beiden Fällen ist nicht die Information das Problem. Sondern die Entscheidung.

    Von Transparenz zu Entscheidungsunterstützung

    Die meisten digitalen Lösungen in der Bewirtschaftung bewegen sich heute auf der Ebene von Transparenz: Sie zeigen, was ist. Die nächste Stufe — und das ist der eigentliche Schritt von Phase 2 zu Phase 3 — besteht darin, Systeme zu schaffen, die Entscheidungen vorbereiten. Die relevante Faktoren berücksichtigen — rechtlich, finanziell, technisch. Die Optionen strukturiert darstellen, Risiken transparent machen und eine nachvollziehbare Empfehlung formulieren.

    Nicht als Ersatz für den Menschen. Sondern als Grundlage für bessere Entscheidungen.

    In unserer Arbeit zeigt sich: Die fachliche Grundlage für solche Entscheidungsunterstützung ist in den meisten Fällen regelbasiert und datengetrieben. Die Herausforderung liegt nicht darin, die richtige Antwort zu finden — sondern darin, die vorhandene Fachlogik so zu operationalisieren, dass sie im richtigen Moment, mit dem richtigen Kontext, in eine klare Empfehlung mündet.

    Eigentümer brauchen keine besseren Dashboards. Sie brauchen Klarheit darüber, was zu tun ist.

    Das vergessene Segment: Stockwerkeigentum unter Druck

    Das Dreiphasenmodell adressiert primär professionelle Bewirtschaftungsfirmen. Was es naturgemäss nicht abbildet: die wachsende Zahl von Gemeinschaften, die gar keinen Bewirtschafter mehr finden.

    900k

    Eigentumswohnungen in Stockwerkeigentum

    Die Schweiz zählt rund 900'000 Eigentumswohnungen — ein Segment mit wachsendem stillem Druck.

    Es ist ein Segment, das in den letzten Jahren stiller Druck aufgebaut hat:

    Stockwerkeigentum unter Druck
    • Grosse Bewirtschaftungsfirmen ziehen sich aus dem STWE-Geschäft zurück. Die Margen sind zu gering, die Komplexität zu hoch.
    • Kleine Gemeinschaften mit 4 bis 12 Parteien finden teilweise gar keinen Bewirtschafter mehr. Branchenberichte sprechen von Wartezeiten bis zu einem Jahr.
    • Ein erheblicher Teil der Erneuerungsfonds ist unterfinanziert. Wenn 2030 die Fassade fällig wird und der Fonds leer ist, kommt die Sonderumlage — oft CHF 20'000 bis 50'000 pro Miteigentümer.

    In der Praxis bedeutet das: Der VR-Präsident — meistens ehrenamtlich, meistens berufstätig — verbringt 5 bis 15 Stunden pro Monat mit Bewirtschaftungsarbeit. Abende und Wochenenden. Er ist kein Bewirtschafter und möchte keiner sein. Aber niemand anderes will den Job machen.

    Für dieses Segment greift die Diskussion über Phase 1, 2 oder 3 nicht mehr. Die Frage ist nicht, ob der Bewirtschafter digitaler arbeitet. Die Frage ist, ob es überhaupt noch einen gibt.

    Praxis-Tipp

    Hier sehen wir einen Ansatzpunkt, der im akademischen Diskurs bisher wenig Raum findet: Technologie nicht als Effizienzsteigerung für bestehende Bewirtschafter, sondern als Zugang zu professioneller Bewirtschaftung für Gemeinschaften, die sonst keine bekommen.

    Was wir über Autonomie gelernt haben: Ein ehrlicher Praxisbericht

    Valtis arbeitet seit über einem Jahr an einem System, das operative Bewirtschaftungsaufgaben eigenständig ausführt. Nicht als Assistenzwerkzeug, sondern als Bewirtschaftungsservice. Einige Erfahrungen aus dieser Arbeit:

    Wo Autonomie zuverlässig funktioniert

    Strukturierte, regelbasierte Aufgaben sind der natürliche Bereich für autonome Systeme. Zahlungsabgleich, bei dem das System täglich prüft, ob alle Mietzinsen eingegangen sind. Mahnläufe, die nach definierten Schwellenwerten eskalieren. Nebenkostenabrechnungen, die nach klaren Verteilschlüsseln berechnet werden. Erneuerungsfonds-Analysen, die auf Basis von Gebäudeversicherungswert und Bauteil-Lebensdauer berechnet werden.

    Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Fehlerquote bei strukturierten Aufgaben unter der von manueller Sachbearbeitung liegt — nicht weil das System intelligenter wäre, sondern weil es keine Fristen vergisst und keine Schritte überspringt.

    Wo Autonomie an ihre Grenzen stösst

    Unstrukturierte Situationen — ein eskalierter Nachbarstreit, ein Miteigentümer der emotional auf eine Abrechnung reagiert, ein Hauswart der seit Wochen nicht erreichbar ist — erfordern menschliches Urteilsvermögen. Hier bestätigt unsere Erfahrung die Einschätzung von Castelberg und Burch vollständig.

    Was uns am meisten überrascht hat

    Die grösste Herausforderung ist weder die KI noch die Automatisierung. Es ist die Datenqualität. Castelberg und Burch zitieren den Grundsatz "Garbage in — garbage out", und wir können das aus der Praxis nur unterstreichen. Ohne saubere Stammdaten, ohne konsistente Kostenerfassung, ohne vollständige Bauteil-Dokumentation kann kein System — egal wie intelligent — zuverlässig arbeiten.

    Ein konkretes Beispiel: Der Erneuerungsfonds-Gesundheitscheck, den wir für Stockwerkeigentümergemeinschaften entwickelt haben. Er analysiert vier Dimensionen — Dotierung, Deckung, Bauteil-Risiko und Planungsqualität — und erstellt eine 15-Jahres-Prognose. Die Berechnung selbst ist reine Mathematik, kein LLM, keine Interpretation. Aber sie funktioniert nur, wenn der Gebäudeversicherungswert stimmt, die Bauteil-Liste vollständig ist und der Fondsstand aktuell vorliegt. In der Praxis fehlt mindestens einer dieser Datenpunkte in fast jeder Gemeinschaft, die sich bei uns meldet.

    Achtung

    Das ist kein Technologieproblem. Es ist ein Branchenproblem. Und es betrifft Phase 1 genauso wie Phase 3.

    Rechtlicher Hinweis

    Autonome Systeme müssen den Anforderungen des revidierten Datenschutzgesetzes genügen. Datenverarbeitung in der Schweiz, Transparenz gegenüber Betroffenen und klare Löschfristen sind keine optionalen Features — sie sind Voraussetzung für jedes System, das personenbezogene Daten von Mietern und Eigentümern verarbeitet.

    Warum Kontext wichtiger ist als Empathie

    Castelberg und Burch schreiben:

    Mieteranliegen sind oft individuell: Konflikte zwischen Nachbarn, Heizungsprobleme mitten im Winter, Notfälle bei Abwesenheit der Eigentümer. Solche Situationen benötigen Einfühlungsvermögen, Erfahrung und situative Intelligenz — Qualitäten, die digitale Systeme nicht besitzen.

    — Castelberg & Burch, HSLU Immobilienblog 2026

    Dieser Einschätzung stimmen wir vollständig zu. Kein System wird je die Empathie eines erfahrenen Bewirtschafters ersetzen. Und kein verantwortungsvoll gebautes System sollte das versuchen.

    Was wir in der Praxis allerdings beobachten: Die meisten operativen Fehler in der Bewirtschaftung entstehen nicht aus mangelnder Empathie. Sie entstehen aus fehlendem Kontext.

    Der neue Sachbearbeiter, der nicht weiss, dass zwischen zwei Mietparteien eine Vorgeschichte besteht. Die Vertretung, die einen Miteigentümer anruft, ohne zu wissen, dass er nur per Email kommunizieren möchte. Die Abrechnung, die einen Beschluss der letzten Versammlung nicht berücksichtigt, weil das Protokoll in einem anderen Ordner liegt. Der Hauswart, der zum dritten Mal dieselbe Information liefern muss, weil sein Ansprechpartner gewechselt hat.

    Kontextverlust ist systemisches Risiko

    Kontextverlust ist der stille Qualitätskiller in der Bewirtschaftung. Und er wird schlimmer mit jeder Personalfluktuation, jedem Sachbearbeiterwechsel, jeder krankheitsbedingten Vertretung. In einer Branche mit zunehmend knappem Fachpersonal ist das kein Randproblem — es ist ein systemisches Risiko.

    Hier sehen wir eine Stärke intelligenter Systeme, die bisher wenig diskutiert wird: die Fähigkeit, ein institutionelles Gedächtnis aufzubauen, das nicht an einzelne Personen gebunden ist.

    Konkret: Unser System speichert die gesamte Beziehungshistorie einer Liegenschaft — nicht als statische Datenbank, sondern als kontextuelles Langzeitgedächtnis. Es weiss, dass Frau Meier im 2. OG seit dem Wasserschaden 2024 sensibel auf Verzögerungen bei Reparaturen reagiert. Es erinnert sich, dass der Miteigentümer im Erdgeschoss bei der letzten Versammlung gegen die Fassadensanierung gestimmt hat und warum. Es kennt die Kommunikationspräferenzen jedes Beteiligten — wer per Email, wer per Telefon, wer nur über den Bewirtschafter.

    Dieses Gedächtnis wächst mit jeder Interaktion. Jede Email, jede Schadensmeldung, jeder Beschluss, jede Beschwerde — alles fliesst in ein Gesamtbild ein, das kein einzelner Sachbearbeiter über Jahre so konsistent aufbauen und weitergeben könnte. Wenn ein menschlicher Bewirtschafter die Firma verlässt, geht sein Wissen über die Eigenheiten einer Liegenschaft mit ihm. Bei einem intelligenten System bleibt dieses Wissen — vollständig und jederzeit abrufbar.

    Das System handelt nicht empathisch. Aber es handelt angemessen. Es weiss, welche Beschlüsse gefasst wurden. Es erkennt Muster — etwa dass ein bestimmter Mieter regelmässig verspätet zahlt, aber immer zahlt, und deshalb keine aggressive Mahnung braucht, sondern eine freundliche Erinnerung. Es passt seine Kommunikation an, nicht weil es fühlt, sondern weil es sich erinnert.

    Und wenn echte Empathie gefragt ist — ein Todesfall, ein eskalierter Nachbarstreit, eine emotional aufgeladene Versammlung — dann eskaliert das System an einen Menschen. Nicht als Notlösung, sondern als bewusste architektonische Entscheidung: Bestimmte Situationen gehören dem Menschen. Die Frage ist nur, welche Arbeit ihm vorher abgenommen werden kann, damit er für diese Momente tatsächlich die Zeit und die Aufmerksamkeit hat.

    Die ehrliche Antwort auf die Frage "Können digitale Systeme Empathie?" ist: Nein. Aber die bessere Frage ist: Wie viel Kontext geht heute verloren, der angemessenes Handeln überhaupt erst ermöglicht? Unsere Erfahrung zeigt: mehr als die Branche sich eingesteht.

    Was die Branche jetzt brauchen könnte

    Castelberg und Burch schliessen mit der Beobachtung, dass "die Fähigkeit, digitale Technologien strategisch einzusetzen und gleichzeitig die Bedeutung persönlicher Interaktionen zu wahren, entscheidend sein wird." Dem ist wenig hinzuzufügen.

    Aus der praktischen Arbeit heraus sehen wir drei Bereiche, in denen ein stärkerer Austausch zwischen Forschung, Branchenverbänden und Technologieanbietern der gesamten Branche zugutekommen würde:

    1

    Standardisierte Datenformate für Liegenschaftsdaten

    Die Datenqualität, die Castelberg und Burch als Grundvoraussetzung beschreiben, scheitert heute daran, dass jede Bewirtschaftungssoftware ihr eigenes Format hat. Aufbauend auf bestehenden Normen wie SIA oder eBKP-H könnte ein branchenweiter Standard für digitale Liegenschaftsdaten nicht nur Phase-2-Automatisierung erleichtern, sondern auch den Bewirtschafterwechsel für Eigentümer und Gemeinschaften massiv vereinfachen.

    2

    Branchenweite Benchmarks für den Einsatz von Technologie

    Heute fehlt eine gemeinsame Sprache dafür, was "gute Digitalisierung" in der Bewirtschaftung bedeutet. Responsezeiten, Fehlerquoten, Kostentransparenz — messbare Kriterien, die Eigentümern und Gemeinschaften helfen, die Qualität ihrer Bewirtschaftung einzuschätzen. Nicht als Kontrollinstrument, sondern als Orientierungshilfe.

    3

    Mehr Praxis-Austausch zwischen Forschung und Praxis

    Die akademische Analyse und die operative Erfahrung ergänzen sich. Die Forschung liefert den konzeptionellen Rahmen. Die Praxis liefert die Daten, die Grenzfälle und die unerwarteten Erkenntnisse. Beides zusammen bringt die Branche weiter als jedes für sich.

    Schluss

    Die Analyse von Castelberg und Burch ist der richtige Startpunkt für eine Diskussion, die die Branche dringend braucht. Nicht ob Digitalisierung kommt — das ist entschieden. Sondern wie sie so gestaltet wird, dass sie den Menschen in der Bewirtschaftung stärkt statt ersetzt.

    Unsere Erfahrung zeigt: Für bestimmte Segmente — insbesondere Gemeinschaften, die heute keinen Bewirtschafter finden — ist der Schritt zu Phase 3 nicht nur technisch möglich, sondern praktisch notwendig. Die Alternative ist nicht der Status quo. Die Alternative ist, dass diese Gemeinschaften ganz ohne professionelle Bewirtschaftung dastehen.

    Gleichzeitig zeigt unsere Erfahrung, dass Phase 3 keine Ablösung des Menschen ist. Es ist eine Verlagerung: vom Ausführen repetitiver Aufgaben hin zu den Momenten, in denen menschliches Urteilsvermögen, Erfahrung und Empathie tatsächlich gefragt sind.

    Wir laden die HSLU, die Branchenverbände und alle, die an dieser Transformation arbeiten, ein, unsere Erfahrungen kritisch zu prüfen. Die Diskussion wird besser, wenn sie nicht nur theoretisch geführt wird.

    Referenzen

    • Castelberg, G. & Burch, E. (2026): Digitalisierung in der Immobilienbewirtschaftung. HSLU Immobilienblog, Februar 2026.
    • Künzel (2024): Dreiphasenmodell der digitalen Transformation in der Immobilienwirtschaft. Zitiert in Castelberg & Burch (2026).
    • Bundesamt für Wohnungswesen BWO: Statistik der mietrechtlichen Schlichtungsverfahren.
    • Bundesamt für Statistik BFS: Gebäude- und Wohnungsstatistik (Stockwerkeigentum).

    Häufig gestellte Fragen

    In welcher Phase der Digitalisierung befinden sich die meisten Schweizer Bewirtschafter?
    Die Mehrheit der Schweizer Bewirtschaftungsfirmen bewegt sich zwischen Phase 1 (digitale Erfassung) und Phase 2 (Standardisierung und Automatisierung). Phase 3 — intelligente, vorausschauende Bewirtschaftung — ist bisher ein Horizont, kein Alltag.
    Was ist der Unterschied zwischen Digitalisierung und intelligenter Bewirtschaftung?
    Digitalisierung beantwortet die Frage, was passiert. Intelligente Bewirtschaftung (Phase 3) entscheidet, was zu tun ist — sie bereitet Entscheidungen vor, berücksichtigt rechtliche, finanzielle und technische Faktoren und formuliert nachvollziehbare Empfehlungen.
    Können KI-Systeme menschliche Bewirtschafter ersetzen?
    Nein — aber sie können den operativen Kern der Arbeit übernehmen (ca. 70–80% der täglichen Aufgaben). Situationen, die Empathie und menschliches Urteilsvermögen erfordern, gehören weiterhin dem Menschen. KI verschiebt die Arbeit vom Ausführen repetitiver Aufgaben hin zu den Momenten, wo menschliche Qualitäten wirklich gefragt sind.
    Was ist das grösste Hindernis für die Digitalisierung in der Bewirtschaftung?
    Nicht die Technologie, sondern die Datenqualität. Ohne saubere Stammdaten, konsistente Kostenerfassung und vollständige Bauteil-Dokumentation kann kein System zuverlässig arbeiten — egal wie intelligent es ist.
    T

    Theshoth Sritharan

    Gründer, Valtis

    Valtis entwickelt einen Bewirtschaftungsservice für private Vermieter und Stockwerkeigentümergemeinschaften in der Schweiz.

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